JOSEF ROSNER

Donau-Debatte im „Mäuslhaufen“

  Plakat zur Bundestagswahl

CSU: Donauausbau muss sein - wir schaffen ja mindestens 3 Arbeitsplätze, im Winter einen AP zusätzlich - den Eismeister !
CSU: Donauausbau muss sein - Stützschwelle für E.ON und RMD AG - im wahrsten Sinne "Stütze"

Bayerisches Fernsehen übertrug live in der Abendschau - Demonstration der Ausbaugegner

Osterhofen/Aicha, 13.8.2009: PNP- Sepp Schiller . „Der Donauausbau ist eine politische Sollbruchstelle: Man kann immer wieder gegeneinander anrennen, ohne dass sich etwas bewegt!“ Das Bayerischen Fernsehen griff das Thema trotzdem auf, doch MdL Eike Hallitzky von den Grünen sollte Recht behalten mit seiner Einschätzung: Auch bei der Live-Sendung am Donaustrand zwischen Aicha und Thundorf wurde gestern wie gewohnt kontrovers diskutiert. Die einzigen Schiffe, die währenddessen vorbeifuhren, waren zwei Kanus.
Bereits nachmittags war Chefin vom Dienst, Manuela Nöth, mit ihrer Crew angereist. Die letzten Regenwolken waren abgezogen, gegen die Mücken schmierten sich die Techniker beim Aufbau (sh. nebenstehenden Artikel) mit „Autan“ ein.

Zwei Live-Schaltungen wurden eingespielt: In der Sendung „Schwaben und Altbayern aktuell“ ab 17.35 Uhr stellten sich der Präsident des Bayerischen Hafenforums, Thomas Dexl, und Dr. Anita Birnberger von den „Freundinnen der Donau“ den Fragen von Reporter Martin Breitkopf, in der „Abendschau“ ab 18 Uhr traten dann MdEP Manfred Weber und Georg Kestel, der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, im Scheinwerferlicht gegeneinander an. Im BR-Studio Freimann spielten die Moderatoren Renate Herzberg und Tom Meiler wichtige Informationen zum Thema für die Fernsehzuschauer ein.

Sicherheitshalber hatte BN-Vorstandsmitglied Dieter Scherf eine Demonstration vorher angemeldet. Er wusste wohl, dass die Menschen, die, wie selbst MdEP Weber anerkannte, „mit Herzblut für ihre Donau kämpfen“, auch hierher in Scharen kommen würden. An die 100 Ausbaugegner spannten ihre Transparente auf, sangen Lieder und skandierten im Sprechchor: „Es lebe die Donau!“ Junge, Alte, Männer und Frauen waren da, Mütter mit Babys, Kinder, SPDler, Grüne, Freie Wähler und „Lola“, die Mischlingshündin von Dr. Anton Huber vom Bürgerforum Vilshofen, die nach einem Bad in der Donau ihr nasses Fell zu Füßen des CSU-Europaabgeordneten abschüttelte. Beobachter der Szene rätselten, ob das Zufall war oder der Hund eine paramilitärische Ausbildung absolviert hat.

Selbstverständlich war auch die „Schutzpatronin der Donau“, MdB Bruni Irber, anwesend. Und die alten Haudegen des BN, Hubert Stelzl, Rudolf Fahrer vom Arbeitskreis Wasser, und der Osterhofener Ortsvorsitzende Helmut Habereder. Sie diskutierten schon lange vor Beginn der Sendung mit den fast bedauernswerten Vertretern der Staustufen-Lobby, die sich an einer Hand abzählen ließen und angesichts der Übermacht sicher keinen leichten Stand hatten. Die SPD um Kreisvorsitzenden Ewald Straßer, Ortsvorsitzenden Thomas Etschmann und Stadtrat Karl-Heinz Hierzegger rückte in einem wahren Pilgerzug am „Mäuslhaufen“ an. Vier Hektar dieser herrlichen Auenlandschaft sind übrigens in Besitz des BN, dazu drei Sperrgrundstücke stromabwärts.

„73“ steht auf dem Schild am Ufer gegenüber : 2273 Flusskilometer von der Mündung im Schwarzen Meer entfernt. Hier soll das Stauwehr errichtet werden. 70 Kilometer ist der letzte freifließende Abschnitt zwischen Straubing und Vilshofen lang, der seit Jahrzehnten so heftig umstritten ist. Für Naturschützer wie Georg Kestel ist der „bayerische Amazonas“ ein Weltkulturerbe, das der Region im Tourismus viel bringen könnte. MdEP Weber will die Region wirtschaftlich voranbringen und fordert einen vernünftigen Ausgleich zwischen Ökologie und Ökonomie. Eine vertiefte Untersuchung müsse aber vorher in jedem Fall gemacht werden. Dr. Anita Birnberger verwies darauf, dass jede Stauhaltung die Fließgeschwindigkeit verringere und die Wasserqualität verschlechtere, was wiederum negativen Einfluss auf Flora und Fauna habe. Thomas Dexl zitierte Verkehrsprognosen und sieht als Grundbedingung für eine funktionierende Schifffahrt eine 1,70 Meter hohe „Stützschwelle“ und einen 2,2 Kilometer langen Schleusenkanal in der Mühlhamer Schleife. Für seine Bemerkung, dass die Schiffe hier oft monatelang hängen bleiben, erntete er aber ebenso schallendes Gelächter wie der BR-Reporter für seine Feststellung, dass es schließlich auch um Arbeitsplätze gehe. Zumindest fand Martin Breitkopf eine Schlussformulierung, die an diesem Abend für jeden am Donauufer gelten konnte: „Die Entscheidung wird noch lange dauern - wir bleiben dran!“

Fotos (Schiller):
Live am Donauufer bei Aicha stellten sich Thomas Dexl vom Hafenforum und „Donaufreundin“ Dr. Anita Birnberger den Fragen von Abendschau-Reporter Martin Breitkopf (r.). An die 100 Ausbaugegner demonstrierten während der Sendung mit Schildern und Transparenten.

Von den „Menschen, die mit Herzblut für ihre Donau kämpfen“, war selbst MdEP Manfred Weber (l.) beeindruckt. BN-Kreisvorsitzender Georg Kestel (r.) konnte sich gelassen geben.

Ein Modell von Stauwehr und Schleusenkanal hatte das Bayerische Hafenforum aufgebaut.
Quelle: PNP