JOSEF ROSNER

Siemens

Schmiergeld · Siemens zieht Ernennung des Finanzchefs zurück

München, 14.September 2007: Nur eine Woche, nachdem er den personellen Neuanfang verkündet hat, muss Siemens-Chef Peter Löscher die Ernennung eines Topmanagers zurückziehen. Hannes Apitzsch wird nicht Finanzchef des Industriesektors, denn es gibt Hinweise auf mögliche Verwicklung in Schmiergeldskandal.

Hannes Apitzsch wird nicht wie vorgesehen neuer Finanzchef der Industrie-Sparte, teilte der Konzern am Freitag mit. Grund ist eine mögliche Verwicklung des 50-Jährigen in die Schmiergeldaffäre. Er bleibt aber vorerst im Unternehmen.

Der Siemens-Vorstand hatte Apitzsch ernannt, obwohl bekannt war, dass er bei den Ermittlungen um verdeckte Zahlungen an die Arbeitnehmerorganisation AUB als Beschuldigter geführt wird. Das Unternehmen verließ sich auf eine Freigabe durch die Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton. Die externen Ermittler hatten alle Manager vor ihrer Berufung überprüft. „Sie können davon ausgehen, dass unsere Kontrollen jeden, der nun zu Führungsverantwortung kommt, vorher komplett durchleuchtet haben“, hatte Löscher erst kürzlich in einem Interview betont. Bei Apitzsch ging man offenbar davon aus, dass er unschuldig ist.

An dieser Einschätzung sind im Laufe der Woche Zweifel aufgetreten. Als Finanzchef hätte Apitzsch künftig zum Top-Management gehört.

Löscher begründet den Umbau auch damit, künftig Korruptionsfälle zu vermeiden. Er will die unübersichtliche Führungsstruktur lichten und jedem Manager klare Verantwortung zuweisen. Im Konzern geht man davon aus, dass Apitzsch der einzige Fehlgriff war, und das Führungsteam steht, wenn ein Ersatz für das Industrie-Finanzressort gefunden ist. Weitere Beschuldigte unter den neuen Führungskräften seien nicht bekannt, heißt es. Ein Ersatzkandidat für Apitzsch steht indes noch nicht fest. Die neue Besetzung der Position wird umgehend bekannt gegeben, teilte Siemens lediglich mit. Apitzsch arbeitet seit 30 Jahren bei Siemens. Der Kaufmann war seit zweieinhalb Jahren Finanzchef des Geschäftsbereichs Automatisierung.

Siemens in Nigeria von Staatsaufträgen ausgeschlossen

Siemens hat Korruption zugegeben

6. Dezember 2007: Nigeria hat den „Technologiekonzern Siemens“ wegen Korruptionsvorwürfen von staatlichen Aufträgen ausgeschlossen. Die Regierung des westafrikanischen Landes stornierte zudem seine jüngste Order für Energie- und Schalttechnik über 700.000 Euro bei den Münchenern, wie Telekommunikationsminister John Odey am Mittwochabend bekannt gab.

„Wir haben heute den Vertrag, der an Siemens Nigeria vergeben worden war, wegen der laufenden Untersuchungen gegen die Firma im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen gekündigt“, sagte er nach einer Kabinettssitzung in der Hauptstadt Abuja. „Die Regierung wird keine weiteren Geschäfte mit Siemens Nigeria abschließen bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.“

Eine nigerianische Kommission untersucht derzeit Vorwürfe, denen zufolge Siemens verschiedene Amtsträger - darunter mehrere Minister - zwischen 2001 und 2004 mit insgesamt rund zehn Millionen Dollar bestochen haben soll. Siemens hatte indirekt eingeräumt, 77 Beamte und Politiker in Libyen, Russland und Nigeria geschmiert zu haben.

Der Konzern war erst kürzlich vom Landgericht München wegen „schwarzer“ Kassen mit über 450 Millionen Euro zu einer Geldstrafe von 201 Millionen Euro verurteilt worden.

Siemens bestätigte, der Konzernbereich Energieverteilung (PTD) habe einen Auftrag verloren und sei bei einer weiteren Projektausschreibung wegen der Untersuchung nicht berücksichtigt worden. Das Unternehmen stehe mit den nigerianischen Ermittlern in Kontakt, sagte ein Konzernsprecher.

Nigerias Präsident Umaru Yar'Adua hat sich seit seinem Amtsantritt Ende Mai einen rigorosen Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben. Nigeria zählt laut Transparency International zu den 35 korruptesten Staaten der Welt.

Quelle: Reuters

Inhalt abgleichen