JOSEF ROSNER

Gentechnisch freie Zone für Bayern

Pressefrühstück mit Nobeltreisträger Percy Schmeiser über die Gefahren des Anbaus gentechnisch manipulierter Pflanzen
München, 10. Januar 2008: Die Grünen im Bayerischen Landtag haben bei einem Pressefrühstück zum Thema Gentechnik die Einstellung jeden Anbaus gentechnisch manipulierter Pflanzen gefordert. "Bayern muss gentechnisch freie Zone werden, denn ein Nebeneinander von Bauern, die gentechnikfrei produzieren und Bauern, die gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen, ist nahezu unmöglich", betont die umweltpolitische Sprecherin der Fraktion, Ruth Paulig. Dies bestätigt auch der kanadische Rapsbauer Percy Schmeiser, der seit Jahren gegen den Gentech-Konzern Monsato kämpft. Schmeiser, der im vergangenen Jahr mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, war einer der internationalen Experten, der mit den Landtagsgrünen über die unkontrollierbaren ökologischen Folgen von Manipulationen am pflanzlichen Erbgut diskutierte. "Es gibt keine Möglichkeit, den Schaden zu begrenzen, wenn die gentechnisch veränderten Pflanzen erst einmal eingeführt sind." Wind und Pollenflug seien nicht beeinflussbar, genau so wenig, wo Gentech-Bauern beim Produkttransport etwas von ihrer Ladung verlieren würden.


Adi Sprinkart (l.), agrarpolitischer Sprecher der Grünen, mit Ruth Paulig und Percy Schmeiser im Gespräch über die Gefahren der unkontrollierbaren Gentechnik

Schmeiser, dessen Großeltern aus Rosenheim stammen, fühlt sich Bayern verbunden. "Heute wird hier das Gleiche erzählt, wie uns damals 1996 in Kanada vor der Einführung gentechnisch veränderter Pflanzen. Es hieß, die Bauern haben die Wahl, ob sie bio, konventionell oder gentechnisch anbauen wollen –aber glauben Sie mir, sie haben keine Wahl!" So gebe es heute keinen reinen Raps bzw. reines Soja mehr in Kanada, ein biologischer Anbau sei darum nicht mehr möglich. Betroffen von der gentechnischen Verunreinigung seien aber nicht nur die Raps- und Soja-Pflanzen, sondern alle Pflanzen aus der gleichen Familie, also auch Senf und Meerrettich. "Die gentechnisch veränderten Gene sind dominant und setzen sich immer durch."

Besserer Schutz der Bauern vor Gentechnik

Ruth Paulig fordert in diesem Zusammenhang einen besseren Schutz der Bauern vor den Gentechnik-Großkonzernen. "Die Großkonzerne arbeiten gegen die Bauern und machen deren Zukunftschancen kaputt." Wie der Fall des kanadischen Bauern Percy Schmeiser gezeigt habe, habe das unverantwortliche Handeln der Gentech-Konzerne nicht nur ökologische Folgen, sondern auch sehr belastende finanzielle Konsequenzen. Schmeiser wurde vom Gentech-Konzern Monsanto auf Schadensersatz verklagte, da deren gentechnisch verändertes und patentiertes Saatgut auf seinen bisher Gentechnik freien Feldern aufgegangen war und Schmeiser keine Lizenzgebühr gezahlt hatte. "Die großen Gentech-Konzerne bekommen über das Patentrecht Kontrolle über das Saatgut und damit über die Nahrungsversorgung", fasst Schmeiser zusammen.

Quelle: Die Grünen im Bayerischen Landtag