JOSEF ROSNER

Siemens in Nigeria von Staatsaufträgen ausgeschlossen

Siemens hat Korruption zugegeben

6. Dezember 2007: Nigeria hat den „Technologiekonzern Siemens“ wegen Korruptionsvorwürfen von staatlichen Aufträgen ausgeschlossen. Die Regierung des westafrikanischen Landes stornierte zudem seine jüngste Order für Energie- und Schalttechnik über 700.000 Euro bei den Münchenern, wie Telekommunikationsminister John Odey am Mittwochabend bekannt gab.

„Wir haben heute den Vertrag, der an Siemens Nigeria vergeben worden war, wegen der laufenden Untersuchungen gegen die Firma im Zusammenhang mit Schmiergeldzahlungen gekündigt“, sagte er nach einer Kabinettssitzung in der Hauptstadt Abuja. „Die Regierung wird keine weiteren Geschäfte mit Siemens Nigeria abschließen bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.“

Eine nigerianische Kommission untersucht derzeit Vorwürfe, denen zufolge Siemens verschiedene Amtsträger - darunter mehrere Minister - zwischen 2001 und 2004 mit insgesamt rund zehn Millionen Dollar bestochen haben soll. Siemens hatte indirekt eingeräumt, 77 Beamte und Politiker in Libyen, Russland und Nigeria geschmiert zu haben.

Der Konzern war erst kürzlich vom Landgericht München wegen „schwarzer“ Kassen mit über 450 Millionen Euro zu einer Geldstrafe von 201 Millionen Euro verurteilt worden.

Siemens bestätigte, der Konzernbereich Energieverteilung (PTD) habe einen Auftrag verloren und sei bei einer weiteren Projektausschreibung wegen der Untersuchung nicht berücksichtigt worden. Das Unternehmen stehe mit den nigerianischen Ermittlern in Kontakt, sagte ein Konzernsprecher.

Nigerias Präsident Umaru Yar'Adua hat sich seit seinem Amtsantritt Ende Mai einen rigorosen Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben. Nigeria zählt laut Transparency International zu den 35 korruptesten Staaten der Welt.

Quelle: Reuters