JOSEF ROSNER

Europawahl

Osterhofen, 7.6.2009 - 19.30 Uhr: (JR) Herzlichen Dank für die großartige Unterstützung grüner Ideen und Ziele. Wir haben im Vergleich zu 2004 über 200 Stimmen mehr bekommen (1921 Stimmen insgesamt) und trotz stärkerer Konkurrenz (FW) mit über 6 % unsere Position im Landkreis gehalten. Erfreulich ist auch, dass die Wahlbeteiligung von 35 % deutlich höher ist und Europa seitens der Wählerinnen und Wähler größere Beachtung findet.

Die CSU hat in Deggendorf deutlich verloren - 10,3% - in Bayern 9,3 %. Auf Basis einer klug eingef├Ądelten Mitleidsmasche waren die CSU-Themen im Wahlkampf nicht europ├Ąisch sondern eher ausschliesslich auf Bayern bezogen. Einerseits eine Verl├Ąngerung der Laufzeiten f├╝r Atomkraftwerke zu fordern und andererseits Atomare Endlager nahe der Grenze zu verurteilen ist inkonsequent und doppelz├╝ngig. Wir freuen uns auf die Auseinandersetzung im kommenden Wahlkampf.

Ergebnisse Niederbayern
 
Stimmen
2009
Stimmen
2004
+/-
 
Bundesgebiet
3.194.175
12,1 %
3.079.728
11,9 %
+ 0,2 %
 
Bayern
454.985
11,5 %
421.019
11,7 %
- 0,2 %
 
Niederbayern
 
Deggendorf
1.921
6,0 %
1.717
6,3 %
- 0,3 %
 
Dingolfing
1.173
4,3 %
1.125
4,7 %
- 0,3 %
 
Freyung
966
5,2 %
749
4,6 %
+ 0,5 %
 
Kelheim
2.257
6,6 %
2.334
6,4 %
+ 0,2 %
 
Landshut
3.807
7,5 %
3.211
7,6 %
- 0,2 %
 
Landshut Stadt
2.471
13,4 %
2.421
12,6 %
0,8 %
 
Passau
3.031
6,0 %
2.463
5,5 %
0,5 %
 
Passau Stadt
1.617
11,1 %
1.633
11,9 %
- 0,8 %
 
Rottal
1.946
6,0 %
1.676
5,8 %
0,2 %
 
Regen
852
4,4 %
771
4,6 %
- 0,3 %
 
Straubing-Bogen
1.043
3,2 %
949
3,4 %
- 0,1 %
 
Straubing Stadt
611
5,2 %
588
5,7 %
- 0,4 %
 
Stimmenzuwachs
21.695
 
19.637
 
2.058 => 10,5 %
 

Josef Rosner · Kreisvorsitzender Deggendorf

Gr├╝ne Welle: Nachlese in der S├╝ddeutschen Zeitung

Die ├ľkopartei l├Âst die SPD als zweitst├Ąrkste Kraft ab

M├╝nchen, 9.6.2009 - Am Morgen nach der Europawahl macht sich bei Bayerns Gr├╝nen sogar schon ein wenig ├ťbermut breit. Landeschef Dieter Janecek sieht aus, als ob er gleich mit Wahlkampf weitermachen will. "Go" - so steht es auf einem Gr├╝nen-Anstecker an seinem Cordsakko. Er will noch mehr. Er sagt: "Es ist vielleicht nur noch eine Frage der Zeit, bis wir hier die Platz-eins-Diskussion f├╝hren." Er meint: Bald k├Ânnten die Gr├╝nen im Wahlergebnis vor der CSU stehen. In einigen Stadtbezirken M├╝nchens hat die Partei das schon geschafft. Die Sozialdemokraten haben die Gr├╝nen ohnehin schon im Freistaat vielerorts weit hinter sich gelassen und als zweitst├Ąrkste Kraft abgel├Âst.

Das politische Kr├Ąfteverh├Ąltnis im Freistaat verschiebt sich seit einigen Jahren zu Gunsten der kleineren Parteien. Vor allem die Gr├╝nen bauen von Wahl zu Wahl ihre Position aus. In knapp einem Drittel aller Kreise und kreisfreien St├Ądte sind die Gr├╝nen am Sonntag zweitst├Ąrkste Kraft geworden. In M├╝nchen liegen sie weit vor der SPD, in Augsburg jetzt gleichauf. Vor allem in den Mittelzentren erobern sie eine Stadt nach der anderen. W├╝rzburg, Bamberg, Regensburg, Lindau, Landsberg und Landshut. Auch in der tiefsten Provinz in S├╝dbayern w├Ąhlen die B├╝rger inzwischen oft lieber Gr├╝n statt Rot. In den Bezirken Oberbayern und Schwaben haben die Gr├╝nen die Genossen ├╝berfl├╝gelt. "Auf dem Land legen wir zu", erkl├Ąrt Janecek. "Wir sind in der Mitte der Gesellschaft respektiert und angesehen."

Jahrelange Aufbauarbeit

Es war freilich ein beschwerlicher Weg f├╝r die Gr├╝nen, dort anzukommen. In Augsburg erinnert sich Gr├╝nen-Politikerin Eva Leipprand, bis 2008 Kulturb├╝rgermeisterin, an m├╝hevolle Aufbauarbeit. "Wir haben erst zeigen m├╝ssen, dass wir was von Politik verstehen und kein B├╝rgerschreck sind." Die Gr├╝nen sind tats├Ąchlich auf dem besten Weg, eine "moderne Bayernpartei" zu werden, wie es der fr├╝here Chef der Landtagsfraktion, Sepp D├╝rr, einmal formuliert hat. "Es ist nicht mehr so, dass Zugezogene aus der Gro├čstadt in den kleineren St├Ądten gr├╝ne Politik machen", sagt Ludwig Hartmann, Stadtrat in Landsberg und Landtagsabgeordneter. Auch dort sind die Gr├╝nen in den vergangenen Jahren durchgestartet und kamen bei der Kommunalwahl auf 17 Prozent. "Wir sind eine ernstzunehmende Alternative f├╝r die B├╝rger geworden."

Das erkennt auch Peter Sch├Ânfelder neidlos an. Passen tut ihm das aber nicht. Er ist SPD-Mitglied seit mehr als 40 Jahren. Er sitzt f├╝r die SPD im Stadtrat von Gersthofen bei Augsburg und ist Betriebsratsvorsitzender beim Luftfahrtzulieferer Premium Aerotec. Er sagt, die SPD k├Ânne von den Gr├╝nen lernen. "Die Gr├╝nen bleiben an den Themen dran und bleiben sich treu. Bei uns bleibt niemand am Ball", lautet seine schonungslose Analyse. Wie viele andere Genossen verfolgt auch er mit Sorge, wie einst feste Beziehungen in die Br├╝che gingen. So ist es l├Ąngst alles andere als selbstverst├Ąndlich, dass Arbeiter die SPD w├Ąhlen. "Gewerkschaft ja, SPD vielleicht", diese Erfahrung hat Sch├Ânfelder als Betriebsrat gemacht. "Die Distanz wird gr├Â├čer."

Es fehlen aber auch die Identifikationsfiguren in der Bayern-SPD, solche, die begeistern k├Ânnen - f├╝r sich und die Partei. Die Gr├╝nen haben sie: Sepp Daxenberger etwa, schillerndster Politiker seiner Partei: Biobauer, bis 2008 zw├Âlf Jahre lang hauptamtlicher B├╝rgermeister mit satter Mehrheit in Waging am See, Spitzenkandidat bei der Landtagswahl und heute Fraktionschef. Er hat geschafft, was der SPD im Freistaat bisher nicht gelungen ist. Daxenberger spricht die bayerische Seele an, mit Menschen wie ihm ist aus den bayerischen Gr├╝nen mehr als nur ein Landesverband geworden. "Der ist glaubw├╝rdig und ehrlich", lobt auch SPD-Politiker Sch├Ânfelder.

Auch bei der Auswahl ihrer Kandidaten f├╝r das Europaparlament hatten die Gr├╝nen Gesp├╝r bewiesen. Barbara Lochbihler, die scheidende Amnesty-Chefin, die im Allg├Ąu aufwuchs, kam bei den W├Ąhlern so gut an, dass Landeschef Janecek vom Barbara-Effekt spricht. In Lochbihlers Geburtsort Ronsberg im Ostallg├Ąu erreichten die Gr├╝nen 33 Prozent. Auch Gerald H├Ąfner, der zweite Kandidat aus Bayern, schaffte den Einzug ins EU-Parlament.

Quelle: S├╝ddeutsche Zeitung - Mike Szymanski